2026 kurze Faltboottour im Kleinen Belt & Als auf der Ostsee
Leider standen dieses Jahr für meine sommerliche Faltbootfahrt nur sechs Tage zur Verfügung, weshalb ich mich für eine kurze Tour im Bereich des Kleinen Belts und der Insel Als auf der Ostsee entschied. Startpunkt sollte die Kleinstadt Haderslev am dortigen 14 km langen Fjord sein. Dort war ich bereits im Herbst 2025 unterwegs und fand den Ostseearm zum Einsteig besonders ansprechend. An- und Abreise sollten wie zu "historischen Faltbootzeiten", mit Zug und Bus erfolgen. Ich hatte zwei Wochen zuvor eine über 2000 km lange Dienstreise hinter mir und keine Lust auf eine weitere Autofahrt, zumal bei einer Solotour das Problem besteht, das Auto nachholen zu müssen. Als Endpunkt sollte, wenn die Tour schlecht läuft und Wetter sowie Wind nicht "mitspielen", die Kleinstadt Aabenraa dienen. Wenn jedoch Wind, Wellen und Wetter mir "hold" sind, sollte Flensburg der Endpunkt sein. Von dort könnte ich wieder mit dem Zug heimfahren, so mein Plan. Tatsächlich wurde es Glücksburg, rund 10 km vor Flensburg.
Das übliche Packen des Argo Faltseekajaks und der restlichen Ausrüstung "verschlang" am Vorabend wieder einige Stunden, so dass alles Zug tauglich ist. Erst nach 22 Uhr war endlich das Meiste bahntauglich verpackt. Bis zum Bahnhof Uelzen musste ich von meinen Dorf aus das Auto nutzen und ab dem hiesigen Hundertwasserbahnhof sollte es früh am Morgen losgehen. Leider gab es im Hamburger Bahnbereich wieder Bauarbeiten, sodass ich durch die Stadt erst bis Pinneberg mit der S-Bahn fahren musste, um dem Fernzug nach Kopenhagen zu erreichen. Dieser kam mit 1h Verspätung und ich sah schon meinen Umstieg in Padborg schon gefährdet, aber ich hatte Glücklicherweise ausreichend Umsteigezeit. In Vojens musste ich vom Zug auf den Bus umsteigen. Kein Problem für den dänischen Busfahrer, mich mit meinem verpackten Faltboot mitzunehmen. So kam ich kurz vor Mittag in Harderslev an und musste mit den ganzen Gerödel nur ca. 1,5km zum Hafen rollern, wo ich eine schöne Wiese zum Faltbootaufbau fand.
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Nach rund einer Stunde war das Faltboot bei schönem Sommerwetter aufgebaut. Fast alles war selbstverständlich wasserdicht verpackt, die Seesocke aufgezogen und das Paddelflot griffbereit gelegt. Keine 200 Meter entfernt gab es einen Rema 100 Supermarkt, um Proviant für die nächsten zwei bis drei Tage einzukaufen . Für etwas dänisches Geld lief ich noch einmal ins 10min entfernte Stadtzentrum, gönnte mir einen Espresso, denn ich war ja schon seit 3.30 Uhr an diesem Tag auf den Beinen. Aber, in meinen Finger kribbelten es, endlich starten zu können. Die Einsatzstelle unter der Straßenbrücke zum Start war ganz passabel, zeigte sich aber hinter dem Schilf für ein schönes Foto mit Boot etwas versteckt. Dann kam der schöne und besondere Moment eines Faltbootfahrers endlich "in See" stechen zu können, die Alltagsthemen hinter sich zu lassen, um hoffentlich ein paar schöne Paddeltage zu erleben zu können.

Der kleine Seglerhafen von Harderslav, mit schöner Wohnanlage mit tollen Blick auf den schmalen Fjord.

Auf dem Haderslav Fjord hat man eher den Eindruck auf einem beschaulichen Binnensee in MeckPomm unterwegs zu sein als auf der Ostsee. Nur die regelmäßigen Seemarkierung erinnerten mich daran auf einem typischen Ostseegewässer unterwegs zu sein. Der mäßige Wind mit 2-3 Bft. aus West brauchte mich zügig voran. Meine Stimmung war gut und ich war gespannt was mich in Bezug auf Wetter, Wind und Wellen erwartet.

Auch eine Rinderherde fühlte sich am und im Wasser wohl und die Tiere liesen sich durch meine Anwesenheit nicht stören, sondern schauten mich nur etwas ahnungslos an.

Nach knapp zwei Stunden kam ich am Ausgang des Fjords in den Kleinen Belt der offenen Ostsee an. Der Wind war moderat, die Sonne schien, was wollte ich mehr. Ich war guter Dinge und zuversichtlich. Weit in der Ferne war die dänische Insel Fyn in einem schmalen Band ganz schwach zu erkennen.

Endlich erreichte ich die freie Ostsee. Der Horizont und die grenzenlose Weite des Binnenmeeres erfreuten mein Auge und mein "Paddlerherz". Dank des Windschattens durch das Land war die Fahrt bis zum geplanten Shelter Platz hinter der Ortschaft Arosund eine beschauliche Küstenpaddelei ohne Probleme. So schaffte ich an diesem Tag noch 20 Paddelkilometer. Der Shelter Platz war noch frei. Aber ich baute trotzdem mein Zelt auf und nach dem Abendessen genoss ich die tolle Abendstimmung mit herrlichen Blick auf den Kleinen Belt.

Der nächste Morgen zeigte sich vom Wetter her erneut freundlich. In der Ferne "grüßte" die kleine Ostseeinsel Årø, nicht zu verwecheln mit der großen Insel Ærø in der dänischen Südsee. Dank der klaren Luft war der kleine Leuchtturm von Årø gut erkennen. Das Zelt war zügig abgebaut und die Ausrüstung verstaut und so startete ich in den nächsten Paddeltag. Noch lag die Ostsee ruhig und beschaulich vor mir, was sich noch ändern sollte.

Weiter ging es an diesem Tag entlang der Ostseeküste am Kleinen Belt. Die Sonne meinte es gut mit mir und ergab ein schönes Fotomotiv.

Nach der Halbinsel Halk Skydeterræn wurde es windiger. Nach ca. 22km erreichte ich die ca. 2 km breite Genner Bucht mit der vor vorgelagerten Insel Barsø. Ich entschied mich trotz des Windes von ca. 3Bft. für die Querung der Bucht. Sollte ich kentern und mit Paddelflot nicht zurück ins Boot kommen , würde mich der Wind immer an ein Ufer spülen. Gewiss, etwas gewagt. Den Wiedereinstieg mit dem Flot hatte ich natürlich mehrfach mit dem Argo geübt, auch mit meinen Grönlandkajak und so war ich zuversichtlich. Mit dem Neo, Paddelflot und Seesocke wagte ich mich an das Unterfangen und alles ging gut. Nach der Passage der Bucht wollte ich eigentlich auf Höhe Ottesgård einen Shelter suchen und übernachten. Aber es gab keinen und es war erst Nachmittag. Dank der Querung "sparte" ich immerhin 5-6 Paddelkilometer. Da ich wieder etwas im Windschatten kam, entschied ich mich an diesem Tag bis zum Shelter kurz vor Aabenraa zu paddeln. Bis zum Skarrev Strand, Løjt Land, war ich noch gut im Windschatten, aber am Strand bog ich nun ganz auch West ein, wo mir ein guter 3 Bft. Wind entgegenbließ. Die letzten 4 km waren doch recht ansprengend zu paddeln, denn am Endes des Tages hatte ich immerhin 39km mein Faltboot auf der Ostsee bewegt. Müde und erschöpft kroch ich schon in der Abenddämmerung in mein Zelt. Dank guter mobiler Daten checkte ich bei Windfinder und Windy die Windprognose für den nächsten Tag und die sah ab dem Vormittag mit nur 1-2 Bft. Wind paddeltechnisch sehr gut aus, auch weil zwei Querungen, unter anderem zur Insel Als 3 km, anstanden. Nur sollte sich die Sonne an diesem Tag kaum zeigen. Ich wollte den ganzen Tag für die angekündigte ruhige See nutzen und stach schon kurz nach 7 Uhr "in See".

Die ersten Kilometer hatte ich noch guten 2 Bft. Rückenwind und querte längs die Aabenraa Bucht. Mein Paddelplan war nach der Querung zu entscheiden, ob ich die kürzere Strecke durch den schmalen Als Sund oder die längere Halbumrundung der Insel Als an der Ostseite nehmen sollte. Ich kam gut voran. Schon vor 10 Uhr kam ich an die entscheidende Stelle und weil nur 1-2 Bft. Wind wehte entschied ich mich für die lange Route bis vor oder hinter Fynhav, wo die Fähren in die Inselwelt der dänischen Südsee ablegen. Vor Fynshav kannte ich bei von meiner letzten Tour noch einen Shelter Platz bei dem historischen Leuchtturm Taksensand. So paddelte ich Stunde um Stunde, zweitweise auf spiegelglatter See. Zwischendurch machte ich immer wieder kurze Pausen, um meinen Rücken mal zu entlasten. Leider paddelte ich an dem angepeilten Shelter vorbei bzw. ich erkannte nicht den Zugang vom Wasser aus. Von weiten sah ich die Mole des Hafen der Ortschaft Fynhave. Gefühlt wollte die Mole trotz paddeln einfach nicht näher kommen, denn ich war ja schon recht lange unterwegs und meine Arme wurden immer länger. Von Ferne sah ich zuerst die Fähre nach Årø abfahren und kurz danach die Fähre nach Bøjden auf der Hauptinsel Fyn. Nach dem Passieren des Hafens gab es einen Shelter in Sichtweite eines riesigen Wohnmobilstellplatzes, welcher aber mir optisch nicht behagte und paddelte weiter. Die dänische Shelter App zeigte in ca. 3km Entferung den nächsten Übernachtungsplatz, Blommeskobbel, an. Die "Durststrecke" mit den schweren Armen, wurde dank zweier Müsliriegel, welche ich in der Schwimmweste griffbereit hatte, nun erträglicher. Leider war dieser Shelter mit deutschen Radlern und Familien überfüllt. Ganz oben wäre noch ein Plätzchen frei. Aber alles mühsam hochschleppen? Dazu hatte ich keine Lust und ich entschied einfach einen freien Platz in "wilder" Natur zu finden. Kurz vor der Ortschaft Mommark fand ich nach einem langen Paddeltag eine schöne Stelle für die Nacht. Inzwischen zog der Himmel etwas auf, so dass ich von diesem Platz eine gute Sicht auf die Insel Årø hatte.

Nach Zeltaufbau und Essen checkte ich über Google Maps meine Strecke und konnte kaum glauben, dass ich heute 45km unterwegs war. Noch hatte ich 2,5 Tage Zeit. Eigentlich ausreichend Zeit um bei moderaten Windverhältnissen bis nach Flensburg zu kommen. Leider stellte ich zugleich fest das für den nächste Tag im Durchschnitt 3-4 Bft. angesagt waren, sowie für einige Stunden leichter Regen und für den übernächsten Tag fast ab 10 Uhr durchgängig 5 Bft. Immer wieder rechnete ich meine Reststrecke durch und wie ich mit meinen Kräften haushalten konnte.
In Sonderborg wollte ich ich einen Stopp einlegen, mir mal einen guten Cappuccino und Kuchen gönnen. In der Stadt bestand zudem die Möglichkeit die Paddeltour dank Bahnhof zu beenden. So beschloss ich erst mal nach Sonderborg zu paddeln und wollte dort entscheiden, wie und wo ich meine Tour beenden könnte. Denn auf den übernächsten Tag mit fast durchgängig 5 Bft. hatte ich keine Lust. Am nächsten Tag war ich früh auf dem Wasser. Bis hinter die Insel Kegnæs hatte ich Windschatten und kam gut voran. Dann setzte der Regen ein und die 7km bis Sonderborg waren bei Regen und 3er Wind gewiss keine Paddelfreude. Dank himmlischer Eingebung konnte ich mich am Strand am frühen Nachmittag ohne Regen umziehen. Während ich mir im warmen Café einen Kuchen und Kaffee gönnte, regnete es draußen leicht. Ich war unschlüssig. Die App zeigte für den nächsten Tag ab 5 Uhr 3 Bft., ab 10 Uhr 4 Bft. und dann ab 11 Uhr 5 Bft. Windstärken durchgängig bis zum Abend an. Ich beschloss am nächsten Tag meine Tour zu beenden. Nur wo, denn schon in Sonderborg "aufgeben" wollte ich nicht? Bis zum mir bekannten Shelter Platz, Skelde Kobbel, waren es noch mal 7 mühsame Kilometer bei beständigen Gegenwind. Am nächsten Morgen stand ich 5 Uhr auf um den moderaten 3er Wind am Morgen zu nutzen und möglichst auf deutsches Gebiet im Bereich der Holnis Halbinsel übersetzen können. Ohne Frühstück paddelte ich schon vor 6 Uhr los. Die ersten 4km hatte ich noch Windschatten und kam zügig voran. Meine Routenplanung war mindestens bis zum Einsetzen des 5Bft. Gegenwindes aus West bis zur Ortschaft Bockholm, südlich von Holnis, zu kommen und wenn die Kräfte und die Zeit noch reicht, bis Glücksburg. Von dort fährt ein Bus zum Bahnhof Flensburg. Mühsam paddelte ich gegen den immer stärker werdenden Wind an. Die 7 km bis zur Nordspitze von Holnis, wo man das NSG betreten darf, waren zäh, dafür schien wieder die Sonne und "zauberte" schöne Lichtbilder an die Küstelinie. Auf Holnis machte ich Frühstück und kämpfte mich dann um Holnis herum und die letzten 6 km bis Glücksburg. Ganz schön erschöpft, durchnässt, aber doch etwas froh war ich, als mein Argo Faltboot auf dem Strand aufsetzte. Wegen der Shorebreal, Dumperwellen, warf ich kurz vor dem Auflaufen mein Paddel an den Strand, öffnete rasch meine Spritzdecke und als das Kiel auffuhr, sprang ich aus der Sitzluke und zog sofort das Faltboot 3-4 m hoch auf den Strand. Angekommen, etwas vor 11 Uhr. Hinter dem Pier 54 Strandbistro zog mich im Windschatten um und baute anschließend mein Faltboot ab. Dank des starken Windes und der Sonne trocknete die nasse Argo Packtasche und mein nasser Rücksack recht schnell. Für irgendwas an diesem Tag musste der Wind doch nützlich sein, sagte ich mir. Nach 1,5h war alles verstaut und verpackt. Der Bus der Linie 21, keine 250m entfernt, brachte mich zum Bahnhof Flensburg. Am Abend kam ich zufrieden zu Hause an. Am nächsten Tag schaute ich auf die Windstatistik von Glücksburg-Meierwik vom Vortag und die zeigte ab 7 Uhr 4 Bft. und ab 11 Uhr sogar 6 Bft. Wind an. Glück gehabt oder wie ich es nenne vom Schöpfer sicher geleitet. Klar, dass bei diesem Wind und der Anstrengung am letzten Tag, ich allein das Paddel nutze, statt Fotos zu machen. Eine GoPro Hero einzusetzen um effektvolle Bilder einzufangen, ist eigentlich nicht mein Stil.